Clemens-Brentano-Preis für Literatur der Stadt Heidelberg 2026 an Clara Heinrich verliehen
Clara Heinrich für "Pusztagold" ausgezeichnet
Der mit 10.000 Euro dotierte Clemens-Brentano-Preis für Literatur der Stadt Heidelberg 2026 ging an die im Osten von Österreich lebende Schriftstellerin Clara Heinrich. Sie nahm den Preis für ihren Essayband „Pusztagold“ (AKI Verlag, 2025) im Rahmen einer Feierstunde aus den Händen von Bürgermeisterin Martina Pfister im Spiegelsaal des Palais Prinz Carl entgegen. Die Laudatio hielt René Aguigah, Ressortleiter "Literatur" bei Deutschlandfunk / Deutschlandfunk Kultur. Musikalisch wurde die Verleihung umrahmt durch den Heidelberger Bassisten Mario Fadani. Am Vorabend las die Preisträgerin im Hilde-Domin-Saal der Stadtbücherei Heidelberg, moderiert von Studierenden des begleitenden Germanistischen Seminars.
Die Preisträgerin:
Clara Heinrich, geboren 1993, studierte Sprachkunst und Politikwissenschaft in Wien, Berlin und Aix-en-Provence. Sie war Finalistin beim Literaturpreis Open Mike 2019 in Berlin und hat 2021 für einen Auszug aus „Pusztagold“ den Burgenländischen Literaturpreis gewonnen. 2022 war sie Stipendiatin beim Klagenfurter Literaturkurs; 2023 stand sie auf der Shortlist für den Wortmeldungen-Förderpreis. Clara Heinrich veröffentlichte Gedichte in diversen Anthologien und Magazinen, unter anderem in „Edit“, „Process*in“ und in der „Open Poems Anthologie“ beim Poesiefestival Berlin. Heute lebt sie im Osten von Österreich und betreibt dort die Marktgärtnerei Clarence Gärten. „Pusztagold“, 2025 im AKI-Verlag (Zürich) erschienen ist ihr literarisches Debüt.
Literatur und Fürsorge als elementare Bedürfnisse
Die Jury hatte die Entscheidung für Clara Heinrich im April dieses Jahres gefällt. In der Jury-Begründung heißt es: „In ihrem so vielschichtigen wie poetischen Essay ‚Pusztagold‘ denkt Clara Heinrich Dinge zusammen, die auf den ersten Blick nicht zusammengehören: die ökologische Zerstörung der Landschaft, eine Krankheit wie ME/CFS, Care-Arbeit und Schreiben. Dabei gelingt ihr nicht nur eine genuin neue Form des Nature Writing, das alles Kreatürliche umfasst. Heinrich erschafft vielmehr einen Text, der mittels Tagebuchaufzeichnungen, Lektürenotizen und persönlichen Reflexionen den Zustand einer angeschlagenen Welt formuliert, zu deren elementaren Bedürfnissen Literatur ebenso zwingend gehört wie Empathie und Fürsorge.“
Bezeugen, wie es gewesen sein wird
Laudator René Aguigah (Ressortleiter Literatur Deutschlandfunk / Deutschlandfunk Kultur) würdigte die vielen Schichten in Clara Heinrichs Band: „Der roteste aller Fäden in diesem Text ist Care. Kein Ort in diesem Text, von dem aus das Thema nicht zumindest in Sichtweite wäre. Es verbindet die Sorge um den Planeten mit der Sorge um die Jahreszeiten mit der Sorge um die Lebensweisen mit der Sorge um die Sozialsysteme mit der Sorge um den Liebsten … Und selbstverständlich praktiziert die Literatur von Clara Heinrich selbst Care – indem sie all ihre Fäden so behutsam verknüpft; und indem sie bezeugt, wie es gewesen sein wird, das Leben mit dem Prekären, mit dem Unerträglichen, mit dem fragil Schönen darin.“
Aufmerksam sein, genau hinsehen
Auch Bürgermeisterin Martina Pfister lobte Heinrichs Essayband: „Was mich dabei besonders berührt, ist der Gedanke, dass Fürsorge und Empathie nichts Nebensächliches sind. Sie sind etwas zutiefst Menschliches und etwas, das unsere Gesellschaft zusammenhält. Ihre Texte machen deutlich, dass genaues Hinsehen wichtig ist. Dass wir aufmerksam bleiben müssen – für unsere Umwelt, für andere Menschen und auch für das, was vielleicht nicht immer auf den ersten Blick sichtbar ist. Und sie zeigen zugleich, welche Kraft Literatur haben kann.“
Die Preisträgerin dankte der Jury, der Stadt und vor allem ihren literarischen Mentorinnen für diesen Preis und endete ihre Rede mit den Worten:
"Ich möchte neben dem Dank auch nicht unerwähnt lassen, dass Clemens Brentano auf den Tag genau 215 Jahre vor mir geboren wurde. 893 Kilometer entfernt.“
Seit 1993 wird der mit 10.000 Euro dotierte Clemens-Brentano-Preis der Stadt Heidelberg jährlich im Wechsel in den Sparten Lyrik, Erzählung, Essay und Roman an deutschsprachige Autorinnen und Autoren vergeben, die mit ihren Erstlingswerken bereits die Aufmerksamkeit der Kritiker und des Lesepublikums auf sich gelenkt haben. Deutschlandweit einzigartig ist, dass die Preisjury sowohl mit professionellen Literaturkritikerinnen und -kritikern als auch mit Studierenden des Germanistischen Seminars der Universität Heidelberg besetzt ist.
Der aktuellen Brentano-Preis-Jury gehören von 2024 bis 2027 als professionelle Jurymitglieder an: Mara Delius (Herausgeberin „Literarische Welt“), Hanne Knickmann (Kulturagentur Knickmann, Moderation), Christoph Schröder (Freier Kritiker, Autor und Dozent für Literaturkritik) sowie Miriam Zeh (Literatur-Redakteurin, Deutschlandfunk Kultur). Als studentische Jurymitglieder waren 2026 Anna Maria Bartens, Franka Rau und Laura Stumpp beteiligt.



