Gemeinsame Zeit statt Alleinsein
Bürgermeisterin Stefanie Jansen traf auf ihrer Sommertour den ehrenamtlichen Besuchsdienst „ZwischenMenschlich“ für Hochaltrige
Heidelberg ist die jüngste Stadt Baden-Württembergs. Doch die Zahl Hochaltriger wächst auch hier. Mehr als 8.000 Menschen im Alter von 80 Jahren und älter leben in der Stadt. Um Einsamkeit im hohen Alter vorzubeugen, vermittelt die Stadt seit über zehn Jahren ehrenamtliche Besuchspatenschaften über das Projekt „ZwischenMenschlich“. Bei ihrer Sommertour traf Bürgermeisterin Stefanie Jansen eines der Paten-Tandems und warb für weitere ehrenamtliche Engagierte.
„Heidelberg ist eine junge Stadt, zugleich wächst die Zahl älterer und hochaltriger Menschen kontinuierlich. Viele leben selbstständig und führen ein aktives Leben. Umso wichtiger sind soziale Kontakte und persönliche Begegnungen. Genau dort setzt unser Besuchsdienst ,ZwischenMenschlich‘ an. Und es braucht weitere Ehrenamtliche, die sich dafür engagieren möchten“, sagt Jansen.
Ein funktionierendes „Tandem“
Mittwochs hat Dorrit Kaufmann eine feste Verabredung. An dem Tag kommt Sabine Beisel zu Besuch. Die beiden gehen spazieren, diskutieren über aktuelle Ereignisse bei einer guten Tasse Kaffee, besuchen eine Ausstellung oder machen kleine Ausflüge in der Region. Aus einer ehrenamtlichen Begleitung ist in den vergangenen Jahren eine verlässliche Beziehung geworden.
Kennengelernt haben sich die 92-jährige Neuenheimerin und die 62-jährige Ziegelhäuserin über das Projekt „ZwischenMenschlich“ der Stadt Heidelberg. Das Angebot besteht seit mehr als zehn Jahren. Der Besuchsdienst vermittelt Ehrenamtliche an hochaltrige Menschen ab 85 Jahren, die selbstständig leben und sich mehr soziale Kontakte wünschen. Derzeit bestehen 13 Paten-Tandems in Heidelberg.
Dorrit Kaufmann lebt allein in ihrer Wohnung im zweiten Stock eines Hauses ohne Aufzug. Die Treppen steigt sie täglich, um in Bewegung zu bleiben. Trotz eingeschränkter Sehkraft und Mobilität ist ihr Interesse an Kultur, Gesellschaft und neuen Entwicklungen ungebrochen. Viele Jahre arbeitete sie am Südasien-Institut der Universität Heidelberg, außerdem war sie eine leidenschaftliche Amateur-Musikerin. Sie ist auch Neuem gegenüber aufgeschlossen und interessiert sich unter anderem für digitale Themen. „Ich möchte verstehen, wie sich die Welt verändert. Mich interessiert zum Beispiel, wie man Informationen im Internet findet. Es ist schön, jemanden zu haben, der für einen das machen kann“, sagt sie.
Sabine Beisel, die ehrenamtlich die 92-Jährige regelmäßig besucht, stieß durch einen Zeitungsartikel auf den Besuchsdienst. Die gebürtige Hamburgerin lebt seit mehr als 25 Jahren in Heidelberg, ist im Vorruhestand und engagiert sich zusätzlich als Lesepatin an einer Grundschule. „Ich wollte etwas tun, das für andere hilfreich ist und bei dem ich selbst etwas mitnehme“, sagt sie. „Mich hat überzeugt, wie sorgfältig bei ‚ZwischenMenschlich‘ versucht wird, passende Menschen zusammenzubringen. Bei uns beiden hat das perfekt funktioniert.“
Ziel: Verlässliche Beziehungen
Diplom-Sozialarbeiterin Antje Maaß, die gemeinsam mit einem Kollegen den ehrenamtlichen Besuchsdienst im Amt für Soziales und Senioren der Stadt Heidelberg koordiniert sagt: „Das Tandem von Frau Kaufmann und Frau Beisel zeigt, worum es bei ‚ZwischenMenschlich‘ geht: nicht um Betreuung oder Versorgung, sondern um gemeinsame Zeit. Oft entsteht daraus, was sich nicht organisieren lässt, aber helfen kann, nämlich eine verlässliche, oftmals freundschaftliche Beziehung.“
Seit Januar 2023 treffen sich die beiden Frauen nun jede Woche. Dabei sei der Austausch keine Einbahnstraße, sagt Sabine Beisel. „Man erfährt, wie jemand auf die Welt blickt, der viele Jahrzehnte mehr erlebt hat. Das erweitert den eigenen Horizont. Ich nehme heute vieles anders wahr, wie Fragen der Barrierefreiheit oder die täglichen kleinen Herausforderungen mit denen jemand zu kämpfen hat, dessen Sehvermögen eingeschränkt ist.“
Vereinsamung im hohen Alter vorbeugen
Die Stadt Heidelberg hat den Besuchsdienst eingerichtet, um Vereinsamung im hohen Alter vorzubeugen. Das Angebot richtet sich an Menschen ab 85 Jahren, die noch selbstständig in ihrer Wohnung oder ihrem Haus leben. Im Mittelpunkt stehen Gespräche und gemeinsame Aktivitäten, etwa Spaziergänge, Café-, Theater- oder Museumsbesuche. Fahrdienste, pflegerische Leistungen oder andere Unterstützungsangebote gehören ausdrücklich nicht zum Konzept. Es geht ausschließlich um Begegnung und persönlichen Austausch. Der Besuchsdienst ist für die Teilnehmenden kostenfrei.
Ehrenamtliche gesucht
Der Bedarf wächst. Da die geburtenstarken Jahrgänge älter werden, wird die Zahl hochaltriger Menschen in Heidelberg weiter zunehmen. Gesucht werden daher Ehrenamtliche, die regelmäßig Zeit für Besuche mitbringen, zuhören können und Interesse an Begegnungen mit hochaltrigen Menschen haben. Die Stadt unterstützt sie durch Schulungen zum Thema Alter und Altern, fachliche Begleitung, Versicherungsschutz und regelmäßige Austauschtreffen.
Interessierte können sich an das Amt für Soziales und Senioren wenden:
Antje Maaß, Telefon 06221 58-37420, E-Mail: antje.maass@heidelberg.de
Raphael Kampschröer, Telefon 06221 58-38645, E-Mail: raphael.kampschroeer@heidelberg.de
Weitere Informationen auch unter www.heidelberg.de/senioren.
