Baustellen-Sommertour: Stadt rüstet sich für Starkregenereignisse
Neuer Staukanal im Diebsweg soll Pfaffengrund und Kirchheim künftig bei Starkregen entlasten
Derzeit laufen die Arbeiten der Stadt Heidelberg für den fünften Bauabschnitt des Hauptsammelkanals. Dabei handelt es sich um einen neuen, großen Stauraumkanal, der auf einer Länge von 1,5 Kilometern im Diebsweg zwischen der Henkel-Teroson-Straße und dem Baumschulenweg gebaut wird. Der neue Kanal mit einem Durchmesser von 1,8 Metern kann künftig rund 3,8 Millionen Liter Abwasser im Kanalnetz zwischenspeichern. Zum Vergleich: Das sind rund 120 gefüllte Tanklaster oder 25.000 Badewannen. Die Bauarbeiten starteten Ende April 2026 und dauern rund zwei Jahre. Der aktuelle Bauabschnitt dient zur Entlastung des Wohngebiets Pfaffengrund und des südlich angeschlossenen Einzugsgebiets Kirchheim bei Starkregen.
„Starkregenereignisse sind in deutschen Sommern keine Seltenheit mehr. Unser Kanalnetz wird in diesen Fällen stark beansprucht. Es muss große Mengen Regenwasser innerhalb kürzester Zeit aufnehmen. Damit das möglich ist, erweitern wir kontinuierlich das Heidelberger Kanalnetz, sodass wir bei Starkregenereignissen gut aufgestellt sind“, sagte Erster Bürgermeister Jürgen Odszuck, der die Arbeiten bei seiner Sommertour am Montag, 24. August 2026, besichtigte.
Die Arbeiten starteten in der Henkel-Teroson-Straße und sind eng mit den Bauarbeiten zur Umgestaltung der Eppelheimer Straße auf Höhe des Bauhauses verzahnt. So wird die ohnehin erforderliche Umfahrung dieser Baustelle mitgenutzt. Die Arbeiten laufen weitestgehend unter der Oberfläche. Das reduziert Verkehrseinschränkungen und ist die wirtschaftlichste Lösung.
Neuer Kanal wird unter der Erde verlegt
Damit die betroffenen Straßen nicht großflächig geöffnet werden müssen, kommt das sogenannte Rohrvortriebsverfahren zum Einsatz. Dabei werden die Rohre unterirdisch vorangetrieben, statt sie in einem offenen Graben zu verlegen. Dafür werden insgesamt drei bis zu zwölf Meter tiefe Baugruben angelegt. Der Vortrieb erfolgt in zwei Abschnitten: zuerst von der Henkel-Teroson-Straße bis zum Diebsweg/Friedhof, danach zwischen Baumschulenweg und Diebsweg/Friedhof. Seit Anfang Juli 2026 wird der neue Kanal im ersten Abschnitt unter der Erde verlegt. Die erste Teilstrecke ist 706 Meter lang. Sie verläuft in Kurven mit wechselnden Radien. Bevor der eigentliche Kanalbau beginnen konnte, mussten zunächst zahlreiche Versorgungsleitungen umverlegt werden.
Beim Vortrieb pressen zwei Hydraulikzylinder mit jeweils 3.000 Kilonewton die Stahlbetonrohre Stück für Stück in den Boden. An der Spitze löst eine Vortriebsmaschine mit offenem Schneidschild das Erdreich. Ein Baggerlöffel trägt es ab und lädt es auf ein Förderband. Von dort gelangt der Boden in Loren, die durch elektrische Seilwinden durch das fertige Rohr zurück zur Startgrube gezogen werden. Ein Kran hebt das Material abschließend an die Oberfläche.
Finanziert wird das Projekt in Höhe von 6,6 Millionen Euro über den Haushalt der Stadtbetriebe Heidelberg in den Jahren 2025 bis 2028. Die Stadtbetriebe sind ein Eigenbetrieb der Stadt. Dieser nimmt im Wesentlichen die Aufgaben der Wasserversorgung, der Abwasserentsorgung, des Betriebs der Bergbahnen und Anwohnergaragen, der Erzeugung von Energie für städtische Liegenschaften und des Betriebs sonstiger Einrichtungen für die Stadt wahr.
Zweite Etappe: Arbeiten im Diebsweg auf Höhe des Friedhofs
Zum Jahresende 2026 beginnen im Diebsweg auf Höhe des Friedhofs die Arbeiten an der Zielgrube, an der die erste Vortriebsstrecke im ersten Quartal 2027 enden wird. Die Vortriebsmaschine wird dort geborgen und zur Startgrube Süd auf Höhe des Baumschulenwegs gebracht, die ebenfalls noch Ende 2026 ausgehoben wird. Von dort aus beginnt im Jahr 2027 der zweite Vortrieb – rund 780 Meter lang und mit demselben Zielpunkt am Friedhof. Mit dem Bau des fünften Bauabschnittes wird der vorletzte Abschnitt des Hauptsammelkanals West abgeschlossen. Im Anschluss folgt der sechste und letzte Bauabschnitt, der dann die Südstadt und Rohrbach von Starkregen entlasten soll.
Starkregenereignisse nehmen zu
Durch das vermehrte Auftreten von Starkregenereignissen und den jetzt schon begrenzten hydraulischen Aufnahmekapazitäten der Stadtteile Pfaffengrund und Kirchheim wird der Bau eines Entlastungskanals immer dringlicher. In den vergangenen Jahren ist eine signifikante Zunahme von Starkregenereignissen zu verzeichnen, die zunehmend zu Überlastungen des bestehenden Kanalnetzes führen. Die Folgen sind nicht nur steigende Kosten für Sofortmaßnahmen und langfristige Sanierungen, sondern auch potenzielle Sachschäden bei Bürgerinnen und Bürgern zum Beispiel durch überflutete Keller. Gezielte Investitionen in die Regenwasserbewirtschaftung sind daher zwingend erforderlich.

