Altstadt: Stadt schafft neuen Wohnraum dank einer Nachlassverfügung

Sechs Wohnungen für Menschen ab 60 Jahren / Einzug ab Frühjahr 2027

Für das denkmalgeschützte Mehrfamilienhaus in der Ingrimstraße 14 in der Heidelberger Altstadt bricht ein neues Kapitel an. Die Stadt hat das rund 250 Jahre alte Gebäude, das sie im Jahr 1979 erworben hatte, seit Februar 2024 umfassend saniert und umgebaut. Möglich wurde dies dank einer privaten Nachlassverfügung eines Ehepaares, das in der Ingrimstraße 14 bis zu seinem Lebensende im Zuge eines Nießbrauchrechts gewohnt hatte. Ihr Erbe von rund einer Million Euro vermachten sie der Stadtverwaltung mit der Auflage, ihr früheres Heim in Wohnungen umzubauen, in denen mindestens eine Person über 60 Jahren lebt und deren Haushaltseinkommen eine bestimmte Grenze nicht überschreitet. Die Stadt nahm das Erbe an und verpflichtete sich damit, die Vorgaben umzusetzen. Sechs sanierte Wohnungen, die ab dem Frühjahr 2027 bezogen werden, sind in Kürze fertiggestellt.

Gruppenfoto vor den neuen Wohnungen mit Oberbürgermeister Eckart Würzner, Sari Buddensiek und Markus Müller (BM Architekten), Roberta Finotti (Hochbauamt) und Erster Bürgermeister Jürgen Odszuc
Durch die umfassende Sanierung des Gebäudes in der Ingrimstraße in der Altstadt wurden sechs Wohnungen für Menschen ab 60 Jahren geschaffen. Im Innenhof des sanierten Ensembles gaben (von links) Oberbürgermeister Eckart Würzner, Sari Buddensiek und Markus Müller (BM Architekten), Roberta Finotti (Hochbauamt) und Erster Bürgermeister Jürgen Odszuck einen Überblick über die Modernisierung. (Foto: Phillip Rothe)

„In Heidelberg schaffen wir kontinuierlich neuen Wohnraum und das ganz vielfältig – für Menschen in allen Lebenslagen und Einkommensklassen. In der Ingrimstraße stehen ab dem Frühjahr 2027 sechs Wohnungen für Menschen ab 60 Jahren zur Verfügung. Erst das Erbe des früheren Bewohnerpaares hat es möglich gemacht, dass wir hier mit der Sanierung des Wohnhauses starten konnten – dafür sind wir sehr dankbar“, erklärte Oberbürgermeister Eckart Würzner bei einer Pressekonferenz in den neuen Wohnräumen am Montag, 19. Oktober 2026.
 
„Bauen im Bestand stellt immer eine Herausforderung dar. Wie es hinter den Wänden und Decken in einem Altbau aussieht, erkennt man oft erst, wenn die Bauarbeiten starten. Umso erfreulicher ist es, dass wir trotz aller Hürden im geplanten Zeit- und Kostenrahmen geblieben sind. Die sanierten Altbauwohnungen sind wahre Schmuckstücke geworden. Mietinteressierte, die die Auflagen für Alter und Jahreseinkommen erfüllen, können sich ab sofort bei der GGH melden“, sagt Erster Bürgermeister Jürgen Odszuck.

Über das Gebäude in der Ingrimstraße 14

Das Mehrfamilienhaus und die beiden Nebengebäude im Innenhof liegen in direkter Umgebung des Marktplatzes. Dort gibt es nun sechs Wohnungen mit einer Wohnfläche von insgesamt 335 Quadratmetern. Die Wohnungen sind zwischen 40 und 60 Quadratmeter groß, die Dachgeschosswohnung umfasst rund 80 Quadratmeter. Das Hinterhaus, einst eine Werkstatt und Atelier, wird künftig zum Fahrrad- und Abstellraum. Von dort führt ein Ausgang auf einen Fußweg, der die Ketten- mit der Krämergasse verbindet und mit dem Fahrrad bequem zugänglich ist. Das Vorderhaus, das in der zweiten Hälfte des 18.  Jahrhunderts gebaut wurde, steht unter Denkmalschutz und ist aufgrund zahlreicher Treppen und Stufen nicht barrierefrei. Zum Hauseingang führt eine Treppe mit sieben Stufen. Die Barrierefreiheit umzusetzen, war wegen des Denkmalschutzes nicht möglich und stellte keine Auflage des Erbes dar.

Herausforderung: Altbau-Sanierung

Foto einer der Wohnungenvon innen
Moderne Wohnungen mit historischem Charme: Überall dort, wo es in dem Altbau möglich war, versuchte das Hochbauamt die historische Bausubstanz zu erhalten. Das galt auch für Bauteile, die aus verschiedenen Gründen statisch nicht mehr einsetzbar waren – etwa für die historischen Dachbalken, die nun die Zimmerdecke der Dachgeschosswohnung schmücken. (Foto: Phillip Rothe)

Die Sanierung, die das städtische Hochbauamt übernahm, war – wie zumeist in Altbauten – eine Herausforderung. Das rund 250 Jahre alte Gebäude hat immer wieder Umbauten erlebt, häufig mit fragwürdigen statischen Lösungen. Während der Abbrucharbeiten traten zahlreiche statische Probleme zutage, die glücklicherweise behoben werden konnten. Das größte Problem: Das Dach war nicht mehr standsicher und musste komplett erneuert werden. Neue Sparren und ein Stahlträger wurden eingebaut, die das energetisch sanierte Dach tragen. Das Wohngebäude, ebenso energetisch saniert, erhielt in Teilen einen Dämmputz. Die Fenster wurden ausgetauscht, mit Ausnahme einiger Fenster im Vorderhaus, die repariert werden konnten. Die Wohnungen erhielten neue Bäder. Diese sind barrierefrei, bis auf das Bad in der Dachgeschosswohnung, wo das aufgrund des Bodenaufbaus nicht möglich war.

Erhaltung der historischen Bausubstanz

Überall dort, wo es in dem Altbau möglich war, versuchte das Hochbauamt die historische Bausubstanz zu erhalten. Das Prinzip galt auch für die Bauteile, die aus verschiedenen Gründen statisch nicht mehr einsetzbar waren – beispielsweise für die historischen Dachbalken, die nun die Zimmerdecke der Dachgeschosswohnung schmücken. Im Obergeschoss wurden die alten Eichendielen entfernt, bearbeitet und wieder an Ort und Stelle eingebaut. Die Stein- und Holztreppen wurden sorgsam aufbereitet. Die historische Haustür blieb ebenso erhalten.

Arbeiten im Zeit- und Kostenplan

Foto einer Wohnung von innen mit Roberta Finotti (Hochbauamt), Erster Bürgermeister Jürgen Odszuck, Oberbürgermeister Eckart Würzner, Markus Müller (BM Architekten) und Melissa Krüger (Bereichsleiterin Bestandsmanagement GGH)
In den hellen, modernisierten Wohnungen muss jeweils mindestens eine Person über 60 Jahren leben. Das Haushaltseinkommen darf eine bestimmte Grenze nicht überschreiten. Beim Rundgang (von links): Roberta Finotti (Hochbauamt), Erster Bürgermeister Jürgen Odszuck, Oberbürgermeister Eckart Würzner, Markus Müller (BM Architekten) und Melissa Krüger (Bereichsleiterin Bestandsmanagement GGH). (Foto: Phillip Rothe)

Mit den aus dem Erbe verfügbaren Mitteln konnte das städtische Hochbauamt die beiden Wohnungen im Erdgeschoss sanieren. Für die übrigen Gebäudeteile samt Außenanlage hatte der Gemeinderat im Sommer 2024 zusätzliche Mittel in Höhe von rund 1,8 Millionen Euro genehmigt. Die Arbeiten liegen trotz zahlreicher Herausforderungen im Kostenrahmen und kommen wie geplant nach zweieinhalb Jahren zum Abschluss. Eine KfW-Förderung ist bereits genehmigt, die genaue Höhe wird im nächsten Jahr bekannt sein.

Bezug ab Frühjahr 2027

Die Stadt verpflichtet sich, die Wohnungen nach den in dem Erbe genannten Auflagen zu vermieten. Das sind Ein- bis Drei-Personen-Haushalte, bei denen bei Mietbeginn mindestens eine Person über 60 Jahre alt ist und deren Haushaltseinkommen innerhalb bestimmter Grenzen liegt. Das Jahreseinkommen darf die Einkommensgrenzen des § 9 Wohnraumförderungsgesetz um nicht mehr als 60 Prozent überschreiten. Die Kaltmiete wird höchstens 70 Prozent der ortsüblichen Vergleichsmiete betragen, derzeit zwischen 8 und 10 Euro pro Quadratmeter. Grundlage ist der zum Zeitpunkt des Mietvertragsabschlusses geltende Mietspiegel der Stadt Heidelberg für vergleichbaren Wohnraum in der Altstadt.
 
Die Vermietung der Wohnungen übernimmt die Gesellschaft für Grund- und Hausbesitz mbH Heidelberg (GGH) im Auftrag der Stadt Heidelberg. Interessierte können sich online unter www.ggh-heidelberg.de > „Mieten“ > „Mieter werden“ mit dem Vermerk „Ingrimstraße“ bewerben. Bei Fragen steht der Kundenservice der GGH per E-Mail an info@ggh-heidelberg.de zur Verfügung.

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