Sommertour von Umweltbürgermeister Schmidt-Lamontain: Artenschutz an Gebäuden

Rundgang in der Südstadt zeigte Lösungen für Gebäudebrüter

Gebäude sind nicht nur Lebens- und Arbeitsorte für Menschen. Auch Mauersegler, Mehlschwalben, Sperlinge und Fledermäuse nutzen Fassaden, Dächer und Nischen als Brut- oder Rückzugsstätten. Wie sich diese Lebensräume bei Sanierungen erhalten oder ersetzen lassen, hat Umweltbürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain am Freitag, 14. August 2026, bei einem Rundgang in der Südstadt erfahren. Der Termin fand im Rahmen seiner Sommertour statt.

Erste Station war die Julius-Springer-Schule. Dort zeigen die angebrachten Nistkästen beispielhaft, wie bei einer Gebäudesanierung Ersatzquartiere für Gebäudebrütern geschaffen werden können. Anschließend führte der Rundgang zu einem Gebäude in der Römerstraße. Fachleute des städtischen Umweltamts und Naturschutzwartin Kirsten Dressel erläuterten vor Ort, wie sich bauliche Sanierungen und Artenschutz miteinander verbinden lassen.

Kirsten Dressel (rechts), vom Umweltamt bestellte Naturschutzwartin der Stadt Heidelberg und Expertin für Mauersegler, informierte gemeinsam mit Mitarbeitenden des städtischen Umweltamts anhand verschiedener Nistkästen über die Möglichkeiten, für Gebäudebrüter neue Ersatzquartiere zu schaffen. (Foto: Rothe)
Kirsten Dressel (rechts), vom Umweltamt bestellte Naturschutzwartin der Stadt Heidelberg und Expertin für Mauersegler, informierte gemeinsam mit Mitarbeitenden des städtischen Umweltamts anhand verschiedener Nistkästen über die Möglichkeiten, für Gebäudebrüter neue Ersatzquartiere zu schaffen. (Foto: Rothe)

„Mauersegler, Schwalben, Sperlinge und Fledermäuse gehören zur Heidelberger Stadtnatur. Damit sie auch künftig geeignete Nist- und Rückzugsorte finden, muss der Artenschutz bei Sanierungen und Neubauten von Anfang an mitgedacht werden. Die beiden Stationen zeigen, wie das in der Praxis gelingen kann“, sagte Umweltbürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain.

Bauabläufe auf die Tiere abstimmen

Werden an einem Gebäude geschützte Arten oder ihre Lebensstätten festgestellt, müssen diese bei der Planung und Umsetzung der Arbeiten berücksichtigt werden. Je nach Situation können Bauzeiten angepasst, Teile eines Gerüsts zeitweise zurückgebaut oder Schutznetze so angebracht werden, dass weiterhin genutzte Brutstätten erreichbar bleiben. Lassen sich bestehende Nistplätze nicht erhalten, können nach Abschluss der Arbeiten Ersatzquartiere angebracht werden. Bei Neubauten besteht zudem die Möglichkeit, Nisthilfen direkt in die Fassade zu integrieren.

Bei der winterlichen Dachsanierung des besuchten Gebäudes in der Römerstraße musste eine Niststätte für Mauersegler ersetzt werden. Auf Anregung des Umweltamts/der Naturschutzwartin Kirsten Dressel wurden freiwillig drei Nistplätze für Mauersegler und vier für Mehlschwalben geschaffen. Die Mehlschwalbenkästen sind inzwischen bewohnt.

Naturschutzwartin berät zu Nisthilfen und Quartieren

An der Julius-Springer-Schule wurden mit angebrachten Nistkästen bei einer Gebäudesanierung Ersatzquartiere für Gebäudebrütern geschaffen. Sie zeigen beispielhaft wie sich bauliche Sanierungen und Artenschutz miteinander verbinden lassen. (Foto: Rothe)
An der Julius-Springer-Schule wurden mit angebrachten Nistkästen bei einer Gebäudesanierung Ersatzquartiere für Gebäudebrütern geschaffen. Sie zeigen beispielhaft wie sich bauliche Sanierungen und Artenschutz miteinander verbinden lassen. (Foto: Rothe)

Während des Rundgangs waren sowohl montierte Nisthilfen als auch verschiedene Anschauungsmodelle zu sehen. Kirsten Dressel stellte unter anderem einen Mauerseglerkasten vor und erklärte, worauf es bei der Auswahl und Anbringung geeigneter Nisthilfen ankommt. Sie sollten möglichst auf der Nord- oder der Ostseite eines Gebäudes angebracht werden, damit sie sich bei Sonneneinstrahlung nicht zu stark erwärmen.

Kirsten Dressel ist vom Umweltamt bestellte Naturschutzwartin der Stadt Heidelberg und Expertin für Mauersegler. In Abstimmung mit dem Umweltamt berät sie Privatpersonen und Bauherren in Naturschutzthemen. Sie setzt sich dafür ein, vorhandene Nistplätze bei Sanierungen zu erhalten, kartiert Quartiere im Stadtgebiet und hilft dabei, sie bei Bauprojekten frühzeitig zu berücksichtigen. Zudem kümmert sie sich verletzte oder geschwächte Mauersegler.

Wichtige Lebensräume in der Stadt

Viele Gebäudebrüter kehren über Jahre hinweg zu denselben Nistplätzen zurück. Mauersegler halten sich vom Frühjahr bis Ende Juli oder Anfang August in Heidelberg auf, Mehlschwalben teilweise bis Anfang September. Fledermäuse können Gebäude zu unterschiedlichen Zeiten als Quartier nutzen – etwa nach der Winterruhe, während der Wochenstubenzeit oder vor dem Bezug ihrer Winterquartiere. Zu den häufigsten gebäudebewohnenden Fledermausarten in Heidelberg zählt die Zwergfledermaus. Die Breitflügelfledermaus ist seltener anzutreffen.

Große Hitze kann besonders für Jungvögel gefährlich werden. Unter Dächern können sich Nistbereiche auf bis zu 60 Grad erwärmen. Jungvögel verlassen ihre Nester dann mitunter vorzeitig, um sich zu retten. Wer ein Jungtier findet, sollte es zunächst sichern, beispielsweise in einem kleinen Karton, und anschließend eine fachkundige Pflegestelle kontaktieren. Wasser oder Futter sollte nicht eigenständig verabreicht werden.

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