Geschützter Ort für Frauen in Wohnungsnot
Zum bundesweiten Tag der wohnungslosen Menschen: Bürgermeisterin Stefanie Jansen besuchte den FrauenRaum des SKM Heidelberg
Wohnungslosigkeit von Frauen bleibt oft unsichtbar. Viele Betroffene leben nicht dauerhaft auf der Straße, sondern kommen zeitweise bei Bekannten unter oder verharren in unsicheren, oft von Gewalt geprägten Wohnsituationen. Gerade deshalb brauchen sie spezielle Hilfsangebote. Anlässlich des Tags der wohnungslosen Menschen besuchte Bürgermeisterin Stefanie Jansen Mitte September 2026 den FrauenRaum des SKM Heidelberg, um über die besonderen Herausforderungen wohnungsloser Frauen und die Unterstützungsmöglichkeiten vor Ort zu sprechen.
Obdach- und Wohnungslosigkeit ist kein reines Männerthema
„Obdach- und Wohnungslosigkeit wird landesweit in der öffentlichen Wahrnehmung fast ausschließlich mit Männern in Verbindung gebracht. Fakt ist aber: etwas mehr als jede vierte obdach- oder wohnungslose Person ist eine Frau. Wenn Frauen von Wohnungslosigkeit betroffen sind, bleibt das häufig unsichtbar und auch deren spezielle Bedürfnisse. Sie brauchen oft besonderen Schutz und Unterstützung bei der Bewältigung von Gewalterfahrung, aber auch Hilfen für psychische Stabilität, bei der Integration in den Arbeitsmarkt oder im Umgang mit den eigenen Kindern“, sagt Stefanie Jansen, Bürgermeisterin für Soziales, Bildung, Familie und Chancengleichheit der Stadt Heidelberg.
Beim Besuch sprach die Bürgermeisterin mit Mitarbeiterinnen des SKM über die Herausforderungen ihrer täglichen Arbeit und tauschte sich mit betroffenen Frauen aus, die die Angebote nutzen. Dabei wurde deutlich, wie wichtig niedrigschwellige und spezifische Hilfen sind, um Frauen in prekären Lebenssituationen zu erreichen und ihnen konkrete Unterstützung anzubieten.
Den aktuellen Statistiken des SKM zufolge, suchten im vergangenen Jahr in Heidelberg 221 Frauen die Einrichtungen der Wohnungsnotfallhilfe des SKM auf oder hatten Kontakt zu Streetworkern. 90 davon wendeten sich an den FrauenRaum, ein Anstieg von mehr als sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Viele wohnungs- und obdachlose Frauen vermeiden aus Angst vor Gewalt oder Ausgrenzung das Leben auf der Straße, übernachten vorübergehend bei Bekannten oder leben in prekären und unsicheren Verhältnissen. Umso wichtiger sind Angebote, die speziell auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind. Finanziert durch die Stadt bietet deshalb der SKM Heidelberg mit dem FrauenRaum eine niedrigschwellige Tagesstätte und Fachberatungsstelle nur für Frauen, ein geschützter Ort ohne männliche Besucher, an dem Frauen zur Ruhe kommen und Vertrauen fassen können, und wo sie Unterstützung erhalten, um Perspektiven für ihren weiteren Weg zu entwickeln. „Wenn man mal Schiffbruch im Leben erlitten hat, ist es nicht leicht, am ‚normalen‘ gesellschaftlichen Leben teilzunehmen“, erzählt eine Besucherin. „Aber hier, wo man geschützt nur mit Frauen zusammen ist, die ähnliches erfahren haben, herrscht einfach ein anderes Klima. Hier kann ich einfach sein, wie ich bin.“
Rückzugsort und Hilfe auf dem Weg zu mehr Stabilität
Der FrauenRaum verbindet unmittelbare Hilfe mit weiterführender sozialer Unterstützung. Zur Grundversorgung gehören unter anderem Verpflegung, Duschen, Kleidung, Waschmöglichkeiten und Hygienematerialien. Gleichzeitig stehen Sozialarbeiterinnen für Fachberatung, Krisenintervention, Unterstützung bei Behörden und Anträgen, Begleitung, Existenzsicherung sowie die Vermittlung in weiterführende Hilfen zur Verfügung.
„Wohnungslosigkeit ist nicht geschlechtsneutral und deshalb darf es auch die Hilfe nicht sein. Der FrauenRaum zeigt seit über 15 Jahren, was möglich wird, wenn Frauen einen geschützten Ort finden, an dem sie Vertrauen fassen, ihre Stärken entdecken und neue Perspektiven entwickeln können. Gleichzeitig kann die Wohnungsnotfallhilfe allein Wohnungslosigkeit nicht verhindern. Dazu braucht es vor allem auch bezahlbaren Wohnraum, damit ein Weg in ein eigenes Zuhause überhaupt möglich wird“, sagt Matthias Meder, Geschäftsführer des SKM.
Heidelberger Hilfenetzwerk
Der FrauenRaum ist Teil eines eng geknüpften Hilfenetzes für wohnungs- und obdachlose Menschen in Heidelberg. Dazu gehören unter anderem auch das Karl-Klotz-Haus des SKM mit Tagesstätte und Fachberatung, Streetwork-Angebote, betreute Wohnformen, spezielle Notwohnangebote für Frauen, städtische Wohnungslosenunterkünfte sowie präventive Angebote zur Wohnraumsicherung (Projekt „WohnAnker“). Ergänzt wird das Angebot in den Wintermonaten durch das städtische Winter-Notquartier für wohnungslose Menschen. Gemeinsam verfolgen Stadt und Träger das Ziel, Menschen in Wohnungsnot zu unterstützen, Wohnraum zu sichern und Wege zurück in ein selbstbestimmtes Leben zu eröffnen.
