Jugendgemeinderat setzt auf Mitsprache und Dialog
Arbeitsüberblick bei gemeinsamer Sitzung mit dem Gemeinderat – Prioritäten für Doppelhaushalt
Mit neuen Beteiligungsformaten, politischen Diskussionen und eigenen Projekten hat der Heidelberger Jugendgemeinderat (JGR) im vergangenen Jahr die Mitsprache junger Menschen in Heidelberg gestärkt. Bei der gemeinsamen Sitzung mit dem Gemeinderat am 15. Oktober 2026 zogen JGR-Vorsitzender Michael Steinke und seine Stellvertreter Kanwar Rath und Rafael Sison Bilanz und stellten aktuelle Projekte sowie die Prioritätenliste des JGR für jugendrelevante Themen für den städtischen Doppelhaushalt 2027/28 vor.
Ein Schwerpunkt der Arbeit des JGR lag in den zurückliegenden Monaten auf dem direkten Austausch mit Jugendlichen. Bei der Veranstaltung „Pizza und Bildungspolitik“ diskutierte der JGR mit jungen Menschen über Herausforderungen im Schulalltag und brachte deren Anliegen im Vorfeld der Landtagswahl in eine öffentliche Podiumsdiskussion ein.
Mit dem neuen Format „Youth Talk“ ist der Jugendgemeinderat zudem verstärkt in den Stadtteilen präsent. In Heidelberger Jugendzentren können Jugendliche ihre Anliegen direkt mit Mitgliedern des Gremiums besprechen. Weitere Schwerpunkte waren die Auseinandersetzung mit Diskriminierungserfahrungen junger Menschen im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus sowie die Förderung demokratischer Beteiligung, etwa bei der Langen Nacht der Demokratie.
Von Windenergie bis Feierkultur
Auch kommunalpolitische Themen standen auf der Agenda. Gemeinsam mit Schülervertretungen und dem Forum Energiedialog organisierte der Jugendgemeinderat einen Informationsabend zum Bürgerentscheid Windenergie. Dabei ging es insbesondere darum, jungen Menschen Informationen für eine fundierte Meinungsbildung an die Hand zu geben. Auch an der Weiterentwicklung des Förderprogramms „Mehr junge Feierkultur“ war der Jugendgemeinderat beteiligt und brachte die Perspektive junger Menschen in die Neufassung der Förderkriterien ein.
Darüber hinaus erarbeitete der Jugendgemeinderat zum zweiten Mal eine Prioritätenliste für die Beratungen zum Doppelhaushalt und übergab diese an den Oberbürgermeister. Darin formuliert das Gremium zentrale Anliegen junger Menschen und spricht sich gegen weitere Kürzungen in jugendrelevanten Bereichen aus.
Schwerpunkte für den Doppelhaushalt
Zu den wichtigsten Forderungen zählen der Erhalt und Ausbau von Jugendräumen sowie konsumfreie Treffpunkte. Zudem setzt sich der Jugendgemeinderat für die Fortführung des Förderprogramms „Mehr junge Feierkultur“, Investitionen in die Mobilität junger Menschen, die Digitalisierung der Schulen sowie Maßnahmen zur Förderung der mentalen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen ein.
„Die Prioritätenliste zeigt, welche Themen junge Menschen in Heidelberg besonders bewegen und wo aus ihrer Sicht Investitionen notwendig sind“, erklärte Michael Steinke, Vorsitzender des JGR. Wichtige Anliegen seien unter anderem ein attraktiver öffentlicher Nahverkehr, sichere Radwege, ausreichende Schulsozialarbeit sowie niedrigschwellige Beratungs- und Unterstützungsangebote für junge Menschen.
Kinoabend und internationale Kontakte
Neben politischen Veranstaltungen setzte das Gremium erneut auf niedrigschwellige Angebote. Das Open-Air-Kino am Iqbal-Ufer lockte mehr als 200 Besucherinnen und Besucher an. Darüber hinaus pflegt der Jugendgemeinderat den Austausch mit der Jugendvertretung der Heidelberger Partnerstadt Bautzen.
Blick nach vorn
Für die kommenden Monate kündigte Steinke mehrere Vorhaben an. Der Jugendgemeinderat bewirbt sich mit einer solarbetriebenen Sitz- und Ladestation für die Neckarwiese um Fördermittel aus dem internationalen Youth Climate Action Fund. Zudem wertet das Gremium derzeit eine Jugendbefragung zu den Themen öffentlicher Nahverkehr, Radverkehr und Sicherheit im öffentlichen Raum aus. Die Ergebnisse sollen in konkrete Vorschläge für Politik und Verwaltung einfließen.
Oberbürgermeister Eckart Würzner würdigte die Arbeit des Gremiums: „Der Heidelberger Jugendgemeinderat vertritt die Interessen junger Menschen mit eigenen Ideen, klaren Positionen und großem Engagement. Diese Perspektive ist für die Entwicklung unserer Stadt ausgesprochen wertvoll.“
Über den Jugendgemeinderat
Der Jugendgemeinderat Heidelberg ist die demokratisch gewählte Interessenvertretung der Heidelberger Jugendlichen. Das Gremium mit bis zu 30 Mitgliedern im Alter von 13 bis 19 Jahren bringt die Perspektiven junger Menschen in politische Entscheidungsprozesse ein, entwickelt eigene Projekte und stärkt die Beteiligung von Jugendlichen am kommunalen Leben. Die Amtszeit beträgt zwei Jahre.
